GGRS home

News  Latest News


Aufruf zur Mithilfe bei der Rettung des Kölner Stadtarchivs
Summons for help saving the Cologne City Archive

As probably most of you know, the building of the Cologne City Archive collapsed on March 3, 2009, presumably as a result of the subway construction. The process of retrieving and saving the 26 shelf kilometers of archival files is in full operation, and surprisingly successful, as far as the mere retrieving of documents is concerned. Many local residents as well as archivists from all over Germany and from several other countries are helping. Lots of helping hands are necessary, because after digging the materials out from the rubble, each and every single file and sheet of paper needs to be handled, cleaned, dried, and packed, then to be sent to emergency storage rooms resp. freezers. This process will probably go on at least until August; until then, helpers are needed every day.

Contact data, including English contacts, can be found here:
http://archiv.twoday.net/stories/5566219/


Am Abend des 3. März war ich auf einer Vereinssitzung, als eine Teilnehmerin nebenbei sagte: "Da ist irgend so ein Archiv eingestürzt." Auf meine völlig entgeisterte Frage, wo und welches, meinte sie in etwa: "So ein historisches Archiv oder Stadtarchiv oder so in Köln", und es seien auch mehrere Personen vermisst. Dass beim Einsturz zwei junge Männer ums Leben kamen, ist für deren Familien und Freunde ein furchtbarer Einschnitt, und ich trauere mit ihnen. Den meisten Menschen, die nicht direkt mit Geschichte oder Archiven zu tun haben, dürfte aber das eigentliche Ausmaß der Katastrophe nicht im Entferntesten klar sein; da wird sich dann allenfalls über die Verantwortlichkeiten aufgeregt.

Auch wenn es uns im Alltag manchmal wenig bewusst wird, so baut doch unsere gesamte Gesellschaft auf all den Ereignissen, Entwicklungen und Strukturen der vergangenen mindestens zweitausend Jahre auf. Die Archive sind das Gedächtnis der Gesellschaft. Gehen sie verloren, leidet die Gesellschaft unter kollektiver Amnesie und Identitätsverlust. Es hat schon in der Vergangenheit größere Verluste von Archivalien gegeben; man denke etwa an die Bremer Schiffslisten (die aus Platzmangel weggeworfen wurden), das preußische Heeresarchiv (das letztlich dem von der Staatsspitze angeordneten und vom Militär ausgeführten eigenen Angriffskrieg zum Opfer fiel), oder auch die Unterlagen von San Francisco (die 1906 beim Erdbeben und der folgenden Feuersbrunst zerstört wurden). All diese Verluste können wir heute nicht mehr rückgängig machen, und in unserer Tätigkeit als Genealogen oder Historiker bedauern wir sie jedes Mal, wenn uns Unterlagen aus diesen Quellen von Nutzen hätten sein können.

Auch das Kölner Stadtarchiv hat große Verluste erlitten, und bis es wieder als Archiv im gewohnten Sinne benutzbar sein wird, werden Jahrzehnte ins Land gehen. Aber anders als bei den als Beispiel genannten früheren Archivverlusten können wir hier alle mithelfen, diese Verluste in Grenzen zu halten.

Man könnte einerseits - und durchaus mit Recht! - bejammern, wie furchtbar langsam der ganze Prozess vor sich geht, wie schrecklich zerstört vieles ist, und wie katastrophal die völlige Zusammenhanglosigkeit der geborgenen Stücke ist, denn da finden sich beispielsweise Einzelblatt-Quittungen des 15. und 16. Jahrhunderts neben Bauakten des 20. Jahrhunderts neben Geburtsregistern des 18. oder 19. Jahrhunderts neben Büchern neben ...

Man kann sich andererseits aber auch freuen, dass doch so erstaunlich viel gerettet werden kann, dass so überraschend viel völlig oder beinahe unbeschadet wieder auftaucht. Man kann das Ganze als Herausforderung begreifen, auch als Lehre für die Zukunft und als Mahnung, dass wir auch diese sonst als so statisch und unveränderlich wahrgenommenen Archive eben nicht als selbstverständlich akzeptieren sollten, sondern als Schatz, dessen wir uns bewusst sein müssen.

Und es kann jeder von uns etwas beitragen, das Kölner Stadtarchiv zu retten. Das gilt auch für diejenigen, die inhaltlich mit Köln dem Rheinland sonst wenig oder nichts zu tun haben - hier einfach zu sagen, "das betrifft mich nicht, meine Vorfahren sind ja aus ... [hier beliebige andere Region einsetzen]", oder "mein Arbeitsthema hat aber mit Köln gar nichts zu tun", greift zu kurz, eben weil es sich um eine grundsätzliche Angelegenheit handelt. Selbst ein klitzekleines Ortsarchiv hätte in ähnlicher Situation eine Rettungsaktion verdient. Davon abgesehen weiß niemand von uns, ob nicht womöglich demnächst im Laufe unserer eigenen Forschungen eben doch Spuren Richtung Köln auftauchen! (In gewisser Weise erging auch mir das mit einem Projekt so.)

Die Rekonstruktion des Archivs wird unglaubliche Unsummen an Geld verschlingen, insofern sind Spenden eine mögliche Art der Hilfe. Im Moment, wenige Wochen nach dem Einsturz, sind aber vor allem Hände gefragt, und zwar gar nicht so sehr Hände von Fachleuten, sondern die Hände von allen, die zumindest eine gewisse Achtsamkeit und Affinität historischen Papieren gegenüber verspüren. Man überlege sich den notwendigen Aufwand: Insgesamt hatte das Archiv Bestände im Umfang von 26000 Regalmetern. Ein in meinen Augen überraschend großer Anteil dieser 26 Regalkilometer konnte inzwischen aus den Trümmern geborgen werden. Jedes einzelne Blatt, jede einzelne Akte, jeder Fetzen Papier (und davon hat es reichlich) wird mehrfach in die Hand genommen, grob inhaltlich klassifiziert, nach "nass" und "trocken" separiert und entsprechend weiter behandelt. Die nassen Akten werden sofort eingefroren, um die Schimmelbildung in Grenzen zu halten. Die trockenen oder klammen Papiere werden vom restlichen Schutt und Dreck gesäubert, ausgebreitet, durchgetrocknet, in Kisten und auf Paletten verpackt und schließlich in "Notunterkünfte" verteilt. Diese Arbeit im Erstversorgungszentrum wird sich noch mindestens bis August hinziehen. Bis dahin werden jeden Tag (Montag bis Samstag) Helfer in zwei- bis dreistelliger Anzahl gebraucht. Nur durch den kontinuierlichen Einsatz so vieler Helfer ist es überhaupt möglich, die Archivbestände zu retten.

Erst danach kann es darum gehen, die beschädigten Stücke zu restaurieren und vor allem auch zu versuchen, die ursprünglichen Bestände wiederherzustellen. Das wird dann tatsächlich Aufgabe von richtigen Fachleuten, also Restauratoren und Archivaren, sein. So weit ist es aber noch lange nicht. Im Moment geht es um die rein mechanische Rettung der Bestände, und dafür braucht es uns alle.

Wenn im Übrigen schon Kater Felix seinem Namen alle Ehre macht, der fünf Wochen in den Trümmern des Archivs eingeklemmt war und eine Woche vor Ostern dort lebend entdeckt wurde - wie können wir es dann wagen, dieses Archiv einfach aufzugeben oder zu behaupten, die Rettung des Archivs sei nicht so wichtig? Ja, auch das Archiv lebt noch!
http://www.ksta.de/html/artikel/1239772087008.shtml
http://www.express.de/nachrichten/region/koeln/hier-wird-truemmer-kater-felix-aufgepaeppelt_artikel_1235811487509.html

Freiwilligenmeldungen können erfolgen über:
Tel. 0221-221-23658
HistorischesArchiv@stadt-koeln.de
sowie hier:
http://www.koelner-stadtarchiv.de/melden.html
(eine private Initiative, die Freiwilligenmeldungen sammelt)

Weitere Berichte und Informationen finden sich hier:
http://www.ksta.de/html/seiten/1236168523492/
(Berichterstattung der Lokalpresse)

http://www.faz.net/s/RubEBED639C476B407798B1CE808F1F6632/Doc~E4E974E4A18E64D3BBA9CA02318728078~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
(ein Artikel vom 14. April 2009)

http://www.archivschule.de/content/657.html
(insbesondere der Link zur Präsentation am unteren Ende)

http://www.augias.net/index.php?ref=inc_6637.html
(insbesondere der taz-Bericht)

http://archiv.twoday.net/topics/Kommunalarchive/
(der Archivalia-Blog mit neuesten Meldungen)

http://www.stadt-koeln.de/5/kulturstadt/historisches-archiv/
(die offizielle Seite der Stadt Köln)


News Archive:

2008: Mayor of London a descendant of the House of Württemberg

2005: European origin of Devilbiss family found


Events
Lecture tours
Service profile What we do and who we are
Fees What we charge and how you can place an order
Emigrants Emigrants database - Search our database for names of emigrants
Surname database Surname database - Search our database for surnames in Germany and neighbouring countries
Genealogy Web Sites Recommended Internet Sites
Sabine's essays Sabine's texts - Essays from university
E Mail Contact us by e-mail
 
Encryption possibilities Encryption possibilities
To homepage Back to the homepage
Last update: Sabine Schleichert, 2009 April 20